Wenn die Welt im Licht verweilt: Wie ich in den langen Tagen und Nächten die Leichtigkeit wiederfinde

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Sommer! Allein das Wort weckt in mir Bilder von unbeschwerten Tagen, dem Duft von warmem Asphalt nach einem Sommerregen und diesem unbezahlbaren Gefühl von Freiheit. Doch es ist gar nicht so sehr die Hitze des Tages, die mich im Moment so tief berührt. Es ist das, was jetzt, Ende Mai, ganz leise beginnt: das endlose Licht. Wenn der Tag sich weigert zu gehen, der Abendhimmel stundenlang in den schönsten Nuancen von Blau und Rosé verweilt und die Nacht nur noch wie ein kurzer Atemzug wirkt.

In den vergangenen Monaten hat sich mein Alltag oft unendlich schwer angefühlt. Der Winter war für mich eine Zeit, die dicht gefüllt war mit der Trauer um die Menschen und meinen geliebten Kater, die ich verloren habe. Wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, legt sich der Verlust manchmal wie ein grauer Schleier über die Seele, und das Atmen fällt schwer. Doch wenn das Licht den Tag nun in beide Richtungen dehnt, passiert etwas Magisches mit mir. Diese langen Tage sind für mich wie ein sanftes Aufatmen. Der Sommer nimmt mir die Trauer nicht weg – das soll und darf er auch gar nicht –, aber er hilft mir, sie zu verarbeiten. Er hüllt den Schmerz in ein weicheres Licht und schenkt mir eine ganz neue, heilende Leichtigkeit.

Der Zauber des frühen Erwachens

Diese neue Leichtigkeit beginnt für mich im Moment oft schon lange vor dem Wecker. Wenn es draußen ganz früh hell wird, zieht es mich magisch nach draußen oder ans offene Fenster. Ich liebe es, in aller Frühe dazustehen, wenn die Welt noch schläft, und das Erwachen der Natur zu beobachten.

Ich lausche dem ersten, zaghaften Zwitschern, das Minuten später zu einem gewaltigen, lebensfrohen Konzert anschwillt. Ich beobachte, wie das zarte Morgenlicht die Blätter berührt, wie der Tau glitzert und das Leben ganz sachte, aber unaufhaltsam Fahrt aufnimmt. In diesen frühen Morgenstunden liegt eine so unberührte, frische Energie. Zu sehen und zu hören, wie die Welt erwacht, schenkt mir eine tiefe Verbundenheit und das Gefühl: Jeder Tag ist ein unbeschriebenes Blatt voller Möglichkeiten und voller Leben.

Mein Blick in den unendlichen Himmel

Was mir in diesen Wochen am allermeisten hilft, ist der Blick nach oben. Wenn ich am Abend auf der Terrasse sitze oder tagsüber einen Moment innehalte, schaue ich in den Himmel. Ich beobachte die Wolken, wie sie völlig frei, friedlich und ohne Eile an mir vorbeiziehen.

In diesem Moment wird alles in mir ganz still. Der Blick in diese endlose Weite verbindet mich mit den Menschen, die nicht mehr hier sind. Es fühlt sich an, als würden meine Gedanken und meine Liebe mit den Wolken mitreisen. Zu sehen, wie sie sich verändern, wie sie kommen und gehen und sich im Licht auflösen, tröstet mich zutiefst. Es erinnert mich daran, dass auch unsere Gefühle fließen dürfen. Die Schwere des Winters zieht weiter, genau wie die Wolken, und macht Platz für das wärmende Licht des Sommers.

Meine geschenkte Zeit der blauen Stunde

Und genau so, wie der Tag voller Kraft beginnt, weigert er sich am Abend, wieder zu gehen. Ich kenne diesen Moment so gut: Es ist eigentlich schon spät, die Uhr schlägt Richtung Bettzeit, aber draußen bricht immer noch das weiche Licht durch meine Fenster. Im Winter war das für mich das Signal, die Rollläden zu schließen, mich einzumuckeln und mich meinen schweren Gedanken zu überlassen. Jetzt spüre ich stattdessen eine Einladung. Für mich fühlt sich das an wie geschenkte Zeit.

Ich merke, wie Leichtigkeit genau dort entsteht, wo ich die Uhr einmal bewusst beiseitelege. Wenn ich nach dem Abendessen einfach noch auf der Terrasse oder einer Parkbank sitzen bleibe. Die Küche darf dann warten. Die To-Do-Liste für morgen auch. In diesen langen Dämmerungsstunden schrumpft mein eigener Druck, ständig funktionieren zu müssen. Es ist mein ganz persönliches Verweilen im Hier und Jetzt – ein zeitloser Raum, den ich mir viel zu selten gönne, der mir aber so unglaublich guttut.

Unsere Leichtigkeit als Geschenk für die Kinder

Wenn ich diese Leichtigkeit in mir wiederfinde, spüre ich sofort, wie sich das auf mein Umfeld auswirkt – besonders auf die Kinder, die wir im Leben begleiten. Kinder haben feine Antennen für unsere Seelenlandschaften. Sie spüren die Schwere des Winters, unsere Sorgen und unsere Trauer oft viel intensiver, als wir glauben.

Wenn wir Erwachsenen uns erlauben, im lauen Abendlicht durchzuatmen und die starren Regeln des Alltags für einen Moment aufzuweichen, schenken wir den Kindern damit einen unbezahlbaren Raum. Unsere wiedergewonnene Leichtigkeit signalisiert ihnen: Die Welt ist sicher, das Leben ist schön und es ist okay, einfach nur zu sein. Wenn wir entspannt auf der Decke im Garten liegen und in den Himmel schauen, laden wir sie schweigend ein, sich dazuzulegen. Aus unserer eigenen Kraft und inneren Ruhe heraus schaffen wir das Fundament, auf dem Kinder unbeschwert wachsen und vertrauensvoll ihre Zukunft gestalten können.

Mein Plädoyer für mehr Flexibilität

Ich ertappe mich oft selbst dabei, wie sehr ich versuche, in starren Rhythmen zu funktionieren – besonders, wenn ich versuche, trotz Trauer den Alltag zu meistern. Aber das Leben ist stetige Veränderung. Die Natur zeigt mir genau jetzt, dass Grenzen fließend sein dürfen – der Übergang vom Tag zur Nacht zieht sich über Stunden hin, ganz ohne Eile.

Ich möchte mir selbst erlauben, in diesen Wochen ein bisschen flexibler, weicher und unbeschwerter zu werden. Eine positive, lebendige Zukunft gestalte ich schließlich nicht aus der Erschöpfung oder der permanenten Schwere heraus, sondern aus Momenten der Kraft, des Trostes und des inneren Friedens. Ich lasse mich von den langen Nächten tragen, schaue den Wolken nach und atme die laue Luft ein.

Weil Leichtigkeit für mich kein Luxus ist, sondern die sanfte Basis, auf der meine Seele in ihrem ganz eigenen Tempo heilen und wieder gesund wachsen kann.


Und jetzt du? Eine Einladung an dich

Vielleicht war dein Winter auch schwer. Vielleicht trägst auch du eine Last, Sorgen oder eine Trauer in dir, die dir manchmal den Atem raubt. Ich möchte dich heute von Herzen einladen: Lass uns gemeinsam die Fenster öffnen. Lass uns die starren Pläne für einen Moment vergessen – für uns selbst und für die Kinder an unserer Hand, die so sehr davon profitieren, wenn wir aufatmen.

Wenn du heute Abend merkst, dass es um neun Uhr immer noch hell ist – bleib sitzen. Lass die Küche Küche sein. Geh noch einmal kurz vor die Tür, zieh die Schuhe aus und spür das kühle Gras unter deinen Füßen. Oder stell dir morgen früh den Wecker einfach mal zwanzig Minuten eher, koche dir einen Tee und lausche am offenen Fenster dem Erwachen der Vögel.

Die langen Nächte sind jetzt für uns da. Sie verurteilen uns nicht für unsere Trauer oder unsere Müdigkeit – sie hüllen uns einfach nur in ihr sanftes, endloses Licht. Erlaube dir, dieses Geschenk anzunehmen. Schau hinauf zu den Wolken, lass deine Gedanken ziehen und hol dir deine Leichtigkeit zurück. Du hast sie verdient.

Deine Marie

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