Menschen für die Zukunft

Meistens denken wir an die Vergangenheit oder die Gegenwart. Jedoch fehlt uns all zu oft der Blick in die Zukunft. Ehrlich gesagt, ist dies auch nicht so leicht. Es ist viel einfacher, wenn wir ein Geschichtsbuch öffnen und darin schauen, was schon gewesen ist, als in die Zukunft zu schauen.

Schon in meiner Schulzeit war Geschichte mein Lieblingsfach. Damals faszinierte mich, wie die Menschen in den unterschiedlichsten Epochen gelebt haben und was sie beschäftigte. Auch heute noch liebe ich es, mich mit unserer Vergangenheit auseinander zu setzen. Betritt man mein Wohnzimmer, entdeckt man das ein oder andere Buch mit historischen Inhalten. Meine Faszination hat sich jedoch geändert. Ich schaue vor allem danach, wie die Menschen damals Veränderungsprozesse hervor gerufen haben. Ich kann Euch sagen, dass nicht jede Veränderung gleich geliebt wurde und sich häufig über viele Jahre etablieren musste. Voraussetzung war natürlich, dass diese auch Sinn für die Menschen machte und Fortschritt brachte. Aber was bedeutet eigentlich Fortschritt? Kann dieser Fortschritt nicht auch gefährlich für uns sein?

Hier gibt es von mir ein großes JA! Fortschritt kann gefährlich für uns sein, in dem wir dadurch beispielsweise für die Zerstörung unseres Planeten sorgen oder ganze Völker ausrotten. Allerdings können wir jeden Fortschritt auch zugunsten allen Lebens einsetzen. Jedoch brauchen wir dafür Menschen, die genau diese Kompetenzen besitzen.

Als Pädagogin sehe ich mich als Impulsgeberin für die Zukunft. Ich sehe meinen Auftrag darin, bildungspolitische Entscheidungen, sowie die Inhalte und Methoden, welche den Kindern vermittelt werden, kritisch zu betrachten. Mit Blick auf die Zukunft macht es in meinen Augen wenig Sinn, wenn alle Kinder nach dem gleichen Schema ausgebildet werden. Ist es in Euren Augen nicht auch merkwürdig, wenn sich sogar die Denkweisen der Kinder nicht unterschiedlich ausprägen können, da ja alle mit den gleichen Inhalten konfrontiert werden? Versteht mich nicht falsch. Natürlich brauchen wir eine gemeinsame Grundlage und beispielsweise Kulturtechniken wie das Lesen oder ein Verständnis von Zahlen. Allerdings bin ich fest der Meinung, dass wir verstärkt nach Potentialen und Leidenschaften der Kinder schauen sollten. Für unsere Zukunft ist es kein Mehrwert, wenn Kinder Dinge auswendig lernen, zu denen sie keinen Bezug haben und die sie in ihrem Leben nie anwenden werden. Ganz nebenbei zu erwähnen ist die Bewertung von Kindern oder auch erwachsen Menschen in Form von Noten. Wenn wir Menschen prägen wollen und ihre Begabungen für uns nutzen wollen, sollten wir in ihre Leidenschaften und Interessen investieren und nicht für Dinge sanktionieren, mit denen sie sowieso im Konflikt stehen oder einfach nur kein Herz dafür haben.

Wahrscheinlich entsteht bei Euch gerade ein großes Fragezeichen? Das kann ich verstehen, da wir leider in den meisten Fällen keine Erfahrung damit haben, wie wir unser Bildungssystem zukunftsfähig machen.

Im Folgenden möchte ich auf ein paar Kompetenzen eingehen, die wir Kindern mit auf den Weg geben müssen:

1. Kinder sollten von Anfang an erfahren, dass ihre Meinung gehört wird und wichtig ist. Sie sollen zu mündigen und kritisch denkenden Erwachsenen heranwachsen dürfen. Wir müssen ihnen signalisieren, dass sie mit ihrem Handeln Einfluss auf ihr und das Leben anderer Menschen haben dürfen.

2. Jeder Mensch sollte mit offenen Armen und großen Herzen empfangen werden. Der wahrscheinlich einfachste Weg dahin, ist es selbst zu erleben. Wachsen Kinder in diesem wunderbaren Gefühl der Sicherheit auf, ist die Chance groß, dass sie selbst zu diesen wunderbaren Menschen heranwachsen. Kinder müssen erfahren, dass alle Menschen wertvoll sind. Egal, wo sie herkommen. Ich bin mir ganz sicher, dass dies uns den Weltfrieden ein Stück näher bringt.

3. Wie schön und befreiend ist der Gedanke, dass wir unabhängig von materiellem Besitz sind? Hierbei meine ich nicht, dass wir auch Dinge besitzen dürfen, die wir einfach zum leben brauchen. Viel mehr denke ich hier an materielles, welches wir mit anderen Menschen teilen können. Diese Lebensform ist in meinen Augen unausweichlich, wenn wir die Ressourcen unseres Planeten in Zukunft nicht mehr so stark ausbeuten wollen.

4. Die Denkweisen der Menschen sind für mich ein sehr großes Thema, über welches ich einen großen Aufsatz schreiben könnte. Hier eine kleine Gedankensammlung: Kinder müssen lernen, dass nicht alles, was sie erfahren auch der Wahrheit entspricht. Daher ist es wichtig, dass sie lernen in verschiedene Richtungen zu schauen und unterschiedliche Perspektiven in Betracht ziehen. Dies ist nicht leicht, da vor allem junge Kinder häufig noch wenige unterschiedlichen Meinungen ausgesetzt sind. Vor allem ist ihre Meinungsbildung normalerweise von der Beziehungsqualität zu ihrem Gegenüber abhängig. Darum ist es so wichtig, dass Kinder eine gute Beziehung zu den unterschiedlichsten Menschen und somit ihren Meinungen haben.

Ihr Lieben!

Meine Liste, welche Fähigkeiten die Menschen für die Zukunft benötigen, ist noch so lang. Hierzu gehören u.a. der Umgang mit digitalen Medien und weitere Fertigkeiten in diesem Zusammenhang. Ich könnte noch mehr über Diversitätsbewusstsein und dem Demokratieverständnis schreiben. Genau so relevant sind Kreativität und Lösungsorientierung. Wahrscheinlich merkt ihr es schon selbst. Es gibt noch so Vieles, was ich Euch mit auf den Weg geben möchte. Einige Themen bearbeite ich gerade stärker und werde sie natürlich mit Euch teilen, wenn die Zeit gekommen ist. In diesem kleinen Artikel habe ich ein paar erste Gedanken zusammen gefasst und möchte Euch ermutigen, diese mit in den Alltag mit Kindern zu bedenken und vielleicht sogar zu integrieren. Es wird wahrscheinlich noch eine ganze Weile dauern, bis Kinder nicht mehr nur nach Schema- F und den Interessen des heutigen wirtschaftlichen Geistes ausgebildet werden. Jedoch bin ich mir sicher, dass wir die Veränderungen in unseren Händen haben und ein Stück weit allen Kindern mit auf den Weg geben können. Dabei ist die Herkunft und die Art der Begabung der Kinder ziemlich egal. Alle sind ein Teil der Welt und warten nur darauf, ihre Spuren zu hinterlassen.

Eure Marie

Studieren für die Kita?

Hoch qualifiziert, jedoch nicht wirklich gebraucht – KindheitspädagogInnen

Nach einigen Jahren meiner Tätigkeit als Erzieherin, wollte ich mich im Bereich der frühen Bildung unbedingt weiter entwickeln. Das Berufsfeld interessiert mich und die Verbesserung von Qualität in diesem Bereich war in aller Munde. Es stand schnell fest, dass ich auf jeden Fall einen akademischen Abschluss erwerben wollte, welcher mich für mehr Aufgaben im Arbeitsfeld qualifiziert.

Also entschloss ich mich dazu, Bildung und Erziehung im an der Alice Salomon Hochschule zu studieren. Im Studium dann die teilweise Langeweile auf. In vielen Modulen kam das Gefühl auf, dass ich die Ausbildung zur Erzieherin wiederhole, da sich die Inhalte mit denen der ErzieherInnenausbildung gleichen. Auf den ersten Blick schien ich eigentlich umsonst zu studieren. Ich fragte mich, was meine weitere Qualifizierung von der Vorherigen unterscheidet. Im Nachhinein kann ich jetzt jedoch sagen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat und ich andere Kompetenzen als die, welche ich bereits hatte, erworben habe. Ich bearbeite und hinterfrage pädagogische Themen viel intensiver, versuche neue Wege zu gehen und bin in meinen Kompetenzen gestärkter. Da im Studium zum/ zur KindheitspädagogIn nicht nur pädagogische Themen bearbeitet werden, sondern das gesamte Bild wie z.B. Bildungsfinanzierung, politische Rahmenbedingungen oder aktuelle gesellschaftliche Debatten einbezogen werden, erklärten sich für mich Zusammenhänge, bzw. ein vernetztes Denken. Dies hat mir auf jeden Fall der wissenschaftlichere Zugang zu einzelnen Themenfeldern ermöglicht.

Nach dem Studium kam schnell die Ernüchterung. Betrachtet man die diversen Stellenausschreibungen im Feld, ist die Berufsbezeichnung der KindheitspädagogInnen kaum zu finden. In der Regel findet man die unterschiedlichsten Stellen für ErzieherInnen. Manchmal findet man aber auch, dass ErzieherInnen und oder KindheitspädagogInnen gesucht werden. Natürlich für gleiche Stellenprofile und ebenso selbe Bezahlung. Dies, sowie die nicht immer guten Arbeitsbedingungen führen dazu, dass viele hoch motivierte und ausgebildete Fachkräfte den Einrichtungen den Rücken kehren.

Dass ein Großteil der Absolventen der kindheitspädagogischen Studiengänge später nicht im Berufsfeld verbleibt, scheint niemanden zu interessieren. Tatsächlich frage ich mich, wie es passieren kann, dass deutschlandweit Milliarden Euro in diese Studiengänge investiert werden, wenn die Absolventen doch verprellt werden. Es ist ein Fass ohne Boden! Der Aufbau dieser Studiengänge war Anfang der 2000 -er gut gemeint, indem nach Bezeichnung der Kampagne „Profis“ in die Kitas kommen sollten. Dies sollte die Qualität im frühpädagogischen Bereich stärken und verbessern. Jedoch kommt diese in den Einrichtungen kaum an, da die Abgänger nach dem Studium keine Lust auf Ausbeute und nicht vorhandene Wertschätzung haben. Wie kann es sein, dass dieser Zustand existiert und keine konkreten Stellen für KindheitspädagogInnen geschaffen werden? Ideen gibt es ja diverse, umsetzen will sie aber keiner. Es kostet ja Geld! Ich schlage vor, dass die Studiengänge für KindheitspädagogInnen wieder abgeschafft werden, dann braucht auch nicht weiter in diese verschwendet werden. Wollen wir meiner provokanten Aufforderung wirklich folgen? Oder werden endlich mal Stellen geschaffen, welche den hohen Anforderungen an den Studienabschluss gerecht werden?

Liebe Leser! Ich denke, dass wir alle wissen, welchen hohen Stellenwert die frühkindliche Bildung für die Zukunft unserer Gesellschaft hat. Schon jetzt werden diverse Potentiale einfach nicht genutzt. Jeder Tag, an dem Begabungen, Talente und Leidenschaften nicht genutzt und gefördert werden, ist in meinen Augen ein verlorener Tag. Vor allem dann, wenn ich an die Zeitfenster der kindlichen Entwicklung denke.

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, geht es mir nicht darum, die ausgebildeten ErzieherInnen und die akademisch ausgebildeten KindheitspädagogInnen gegenüber zu stellen. Mein Herz brennt für eine multiprofessionelle Kitalandschaft mit den unterschiedlichsten Menschen, die ihre Leidenschaften und Begabungen mitbringen. Vielleicht geht es auch gar nicht darum, welchen Abschluss diese Menschen haben. Ich trage die Gewissheit in mir, dass wir Menschen brauchen, die Kinder für etwas begeistern können. Wenn ein Kind be-geistert wird, kann es seine eigenen Begabungen entdecken und so mit in die Welt tragen.

“Marie, sag doch einfach Gott!”

Wir leben in einer so wunderbaren und vielfältigen Gesellschaft und wissen oft nur wenig oder gar nichts über unsere Mitmenschen. In unseren Städten stehen neben den Kirchen auch Moscheen, Synagogen, Hindutempel und wahrscheinlich noch viel mehr Gotteshäuser. Ich selbst war schon immer fasziniert von dieser Vielfalt, hatte aber nie richtigen Kontakt zu den Menschen, die vielleicht einer anderen Religion angehören, als der Christlichen. Schon sehr lange beobachte ich, dass Menschen nebeneinander leben, sich vielleicht in den Bildungseinrichtungen oder auf dem Arbeitsplatz begegnen, jedoch nur wenig voneinander wissen. Sicher stellen sich die Menschen die unterschiedlichsten Fragen, oder sind neugierig auf das Leben der Anderen. Manche haben aber vielleicht auf eine ablehnende Haltung dem gegenüber, da ihnen Vieles fremd erscheint.

Tatsächlich ist es sehr herausfordernd, die Türen zu öffnen und die Parallelwelten miteinander bekannt zu machen. Kommt man selbst nicht aus einer anderen Kultur als der Eigenen, kann es ziemlich herausfordernd sein, einen Kontakt zu dem noch Unbekannten herzustellen.

Einige Jahre war ich danach auf der Suche, wie wir in unseren Bildungseinrichtungen die verschiedenen Religionen und Kulturen aller der Kita angehörigen sichtbar machen können. Ich habe mir gewünscht, dass Barrieren beseitigt werden und Kinder, deren Familien und KollegInnen ihre Identität wiederfinden. Dies ist keine leichte Aufgabe, wenn man die Themen aller beteiligten auf natürlichem Wege einfließen lassen möchte, so dass es nicht projektartig wirkt. Ich stand vor der großen Frage, wie dieses Ziel zu erreichen ist, ohne Menschen zu benachteiligen, auszugrenzen oder irgend einen anderen Fehler zu machen.

Eines Tages schien alles auf einmal so leicht. Eine Tür öffnete sich und bewirkte im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunder:

Wie so oft saß ich in der Kita zusammen mit den Kindern am Frühstückstisch und unterhielt mich mit einem Jungen. Oft erzählte er mir von seinem Besuch in der Koranschule und berichtete, was er dort gelernt hat. So erklärte er mit leuchtenden Augen davon, dass der Ramadan und das Zuckerfest anstehen. In diesem Moment fiel mir eine Geschichte zum Ramadan ein, die ich zu Hause hatte und brachte sie am nächsten Tag mit in die Kita. Als wir die Geschichte lasen, gesellten sich andere Kinder dazu. Eigentlich kam ich auch gar nicht zum vorlesen, da der Junge alles erzählte, was er zum Ramadan weiß und wie er diesen mit seiner Familie verbringt. Er erzählte und wir verglichen gemeinsam, welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede wir zwischen der muslimischen und der christlichen Kultur haben. Viele Kinder wollten nun auch mal ein Zuckerfest und den Ramadan erleben. Endlich, es war so weit! Wir konnten starten! Aber wie? Ich kenne den Ramadan nur aus Büchern oder anderen Berichten. Wie können wir auf die Wünsche der Kinder eingehen und authentisch einen Einblick in die muslimische Kultur bekommen? Ich sprach die Eltern des Jungen an und berichtete ihnen von dem Wunsch der Kinder. Auch hier war ich tief berührt. Die Familie des Jungen schickte uns Fotos, wie sie den Ramadan feiern, gaben Bücher mit in die Kita und erzählten mir von ihrer Familienkultur. Fast täglich hörte ich von den Eltern des Jungen ein großes DANKE. Diese Dankbarkeit, dass ihre Kultur und Religion in der Einrichtung thematisiert wird, ihre Identität in der Mehrheitsgesellschaft der Christen und Atheisten wichtig ist.

Mit Unterstützung der Familie und einer türkischstämmigen Kollegin wurde am Ende des Ramadan ein wunderbares Zuckerfest gefeiert, was jetzt in jedem Jahr einen Platz finden wird.

Ich möchte euch herzlich dazu einladen, eure Kultur, Tradition und den Glauben mit in unsere Kitas und Schulen einfließen zu lassen. Was gibt es Schöneres, als die Vielfalt, die die Menschen um uns herum mitbringen auch in den Lebensbereich Kita oder Schule einfließen zu lassen? Wir haben die Chance, dass Kinder als neugierige, tolerante und herzenswarme Menschen heranwachsen. Was für eine wunderbare Aufgabe, wenn ich an den Weltfrieden und mehr Verständnis füreinander denke.

Perspektivwechsel Corona

Schon seit über einem Jahr (März 2020) gibt es fast kein wichtigeres Thema als die Pandemie. Plötzlich wurden Schulen und Kindergärten geschlossen, oder sie gingen in den Notbetrieb über. Viele Eltern verhielten sich vielleicht anders, hatten ganz individuelle Sorgen und Ängste. Von Heute auf Morgen veränderte sich das Leben der Kinder radikal. In den wohl meisten Fällen wurde ihnen erklärt, dass es ein Virus namens Corona gibt und vor allem gefährlich für ältere Menschen ist. Für uns Erwachsene ist es ja schon kaum greifbar sich vorzustellen, dass ein bösartiges Virus umherschwirrt und uns überall selbst begegnen und krank machen kann.

Betrachten wir wie die Veränderung vor allem jüngere Kinder und im Gegensatz erwachsene Menschen beeinflusst haben, wird es Unterschiede in der Wahrnehmung geben. Ich beobachte, dass viele Kinder es total cool finden, ihren Mund-Nasen-Schutz zu tragen und diesen in ihr Rollenspiel integrieren. Daran ist zu erkennen, dass die Pandemie ein normaler Teil ihres Lebens geworden ist, welchen sie im Spiel integrieren. Besser gesagt, sie verarbeiten ihre Emotionen, ihr Erleben und die Gedanken, indem sie ihre Wahrnehmung nachspielen.

Unsere derzeitige Situation kann negative, sowie weniger drastische Auswirkungen auf die Kinderseelen haben. Gerade mit Worten können wir in verschiedene Richtungen einwirken. Wie oft höre ich: „Wegen Corona fällt dies und jenes aus.“ oder vielleicht hören die Kinder ja auch die Gespräche der Erwachsenen „Ich hätte den Kindern eine andere Kindheit gewünscht.“ Vielleicht könnt ihr ja schon erahnen, auf was ich gerade hinaus will. Wir können mit unseren Worten Ängste bei den Kindern schüren, oder auch ganz andere Perspektiven ermöglichen. Klingt gar nicht so einfach, oder? Ich gebe euch mal ein Beispiel: Ihr könnt sagen „Wegen Corona können wir jetzt nicht in den Urlaub fahren.“ Aber ihr könnt auch eine ganz andere Perspektive einnehmen und sagen: „Komm, wir machen es uns jetzt einfach gemütlich!“ Habt ihr den Unterschied in den Aussagen bemerkt? Im ersten Beispiel habe ich benannt, was nicht geht. Im zweiten Beispiel habe ich einfach nur aufgezeigt, was gerade beispielsweise möglich ist. Die Pandemie ist für viele Kinder zur Normalität und somit zu ihrer normalen Lebenswelt geworden. Wir haben es in unseren Händen, wie wir mit den Kindern über das Thema kommunizieren und wie wir somit ihre Seelen unbelastet ihre Kindheit genießen lassen können. Natürlich ist die Corona-Pandemie nicht toll. Menschen erkranken oder sterben im schlimmsten Fall. Jedoch gibt es auch viele positive Momente. Viele Kinder genießen es, endlich mehr Zeit mit ihren Familien verbringen zu können. Habt ihr mal bedacht, dass viele Kinder mehr als zehn Stunden am Tag in einer Bildungsinstitution verbringen? So lange ist In der Regel bestimmt auch nicht euer Arbeitstag. Kinder, die in der Klasse oft abgelenkt sind, können sich zu Hause viel besser konzentrieren oder nach ihrem eigenen Tempo lernen. Auch hier haben es die Erwachsenen in ihren Händen. Wie könnten wir unser Leben in Zukunft vielleicht gestalten? In Betracht auf unsere langen Arbeitszeiten sollte jeder Einzelne reflektieren, ob wir nicht auch mit weniger Geld auskommen. Wir sollten uns Fragen, ob wir wirklich so viel Wohnraum, ein teures Auto, usw. haben müssen. Was möchte ich mit meinem Gedanken bezwecken? Wenn wir weniger Zeit in das Geld verdienen investieren, kann diese in die Kinder gesteckt werden. Sie könnten viel mehr individuelle Unterstützung und emotionale Zuwendung bekommen, könnten vielleicht mehr im Park oder Wald spielen. Wenn Kinder gestärkt aus der Pandemie kommen sollen, tragen wir nun einmal die Verantwortung! Ja, WIR tragen die Verantwortung. Diese sollte nicht nur auf Kita und Schule übertragen werden, sondern als wunderbare und wertvolle Aufgabe der gesamten Gesellschaft angenommen werden. Ich bin mir ganz sicher, dass ihr nicht alle mit meinen Ideen mitgehen könnt. Aber dennoch ist es mir wichtig, euch zu inspirieren und euch vielleicht ein paar Inspirationen auf den Weg zu geben. Bitte betrachtet den Inhalt dieses Textes nicht als einzige Wahrheit und gegeben. Die Situation muss natürlich immer individuell bedacht werden und es gibt ganz sicher noch viele andere Wege.

Gedanken zur sozialen Achtsamkeit

Die Beiträge zur sozialen Achtsamkeit werden wohl die persönlichsten meiner ganzen Seite sein. Warum dies so ist, muss ich euch wohl genauer erklären.

Ich komme aus einer Familie aus der ehemaligen DDR, welche in als Kleinkind noch erlebt habe. Meine Familie war sehr kinderreich und Geld war auch nie groß vorhanden. Die Schulzeit war für mich sehr schwer, da ich ja keine Markenklamotten hatte und die mit den vielen Geschwistern war. Somit war ich ungewollt eine Außenseiterin. Natürlich ging dies nicht spurlos an mir vorbei. Meine Leistungen in der Schule waren nicht gerade rosig. Die Lehrer schliffen mich irgendwie durch, so dass ich wenigstens nie eine Klassenstufe wiederholen musste. Immerhin schaffte ich noch irgendwie die mittlere Reife.

Nach der Schule machte ich dann eine Ausbildung zur Erzieherin und ich stellte fest, dass mir das Lernen ziemlich leicht viel. Natürlich war auch der Wechsel von der Schule in die Ausbildung von Entscheidung. Ich machte einen Neuanfang und löste mich von meiner Unsicherheit, die mich meine gesamte Schullaufbahn begleitete. Ich fand in der Pädagogik meine Berufung und Leidenschaft. Mein Beruf wurde ein neues Stück meiner Identität. Ich gewann an Selbstbewusstsein und an einer noch nie vorhandenen Lebensfreude.

Ein paar Jahre nach meiner Ausbildung wollte ich es mir und vor allem allen anderen Menschen noch mehr beweisen. Ich habe Kindheitspädagogig und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung studiert. Laut Statistik gehöre ich in dieser Beziehung einer Minderheit an, da ich ja aus einer Familie komme, welche von Sozialleistungen abhängig war.

Warum ist es mir so wichtig, dies mit euch zu teilen? Schließlich geht es ja keinen etwas an…! Ich sehe es anders! Noch vor einigen Jahren war ich immer ziemlich neidisch auf alle Menschen, die eine ganz normale Kindheit und Schullaufbahn hatten. Jedoch habe ich mit der Zeit festgestellt, dass genau diese Erfahrungen wichtig für mich waren. Ich bin unglaublich dankbar und demütig für mein Leben und habe meinen Blick auf die soziale Situation um mich herum und die Welt viel mehr geschärft. Vielleicht kann ich auch ganz gut Perspektiven wechseln und mich in Menschen einfühlen. Erst war mein Anliegen, dass ich nach meinem Studium mehr Luxus haben möchte und mehr Geld verdienen will. Klar, ich will schon ein Dach über dem Kopf haben und auch mal in den Urlaub fahren können. Aber ich habe verstanden, dass es viel wichtiger ist, meiner Berufung zu folgen. Wenn wir Kinder prägen und begleiten wollen, ist es wichtig, dass wir unsere Identität nicht leugnen. Wir sind einzigartig, sowie jeder Mensch auf diesem Planeten. Ich wurde als Kind diskriminiert, weil ich wenig Geld und so viele Geschwister hatte. Meine Geschichte hat mich geprägt. Wenn ich sehe, dass andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt werden, versuche ich dagegen zu steuern. Dabei ist mir egal, ob es sich um Rassismus handelt oder die Gründe für Ausgrenzung einen anderen Ursprung haben.