Perspektivwechsel Corona

Schon seit über einem Jahr (März 2020) gibt es fast kein wichtigeres Thema als die Pandemie. Plötzlich wurden Schulen und Kindergärten geschlossen, oder sie gingen in den Notbetrieb über. Viele Eltern verhielten sich vielleicht anders, hatten ganz individuelle Sorgen und Ängste. Von Heute auf Morgen veränderte sich das Leben der Kinder radikal. In den wohl meisten Fällen wurde ihnen erklärt, dass es ein Virus namens Corona gibt und vor allem gefährlich für ältere Menschen ist. Für uns Erwachsene ist es ja schon kaum greifbar sich vorzustellen, dass ein bösartiges Virus umherschwirrt und uns überall selbst begegnen und krank machen kann.

Betrachten wir wie die Veränderung vor allem jüngere Kinder und im Gegensatz erwachsene Menschen beeinflusst haben, wird es Unterschiede in der Wahrnehmung geben. Ich beobachte, dass viele Kinder es total cool finden, ihren Mund-Nasen-Schutz zu tragen und diesen in ihr Rollenspiel integrieren. Daran ist zu erkennen, dass die Pandemie ein normaler Teil ihres Lebens geworden ist, welchen sie im Spiel integrieren. Besser gesagt, sie verarbeiten ihre Emotionen, ihr Erleben und die Gedanken, indem sie ihre Wahrnehmung nachspielen.

Unsere derzeitige Situation kann negative, sowie weniger drastische Auswirkungen auf die Kinderseelen haben. Gerade mit Worten können wir in verschiedene Richtungen einwirken. Wie oft höre ich: „Wegen Corona fällt dies und jenes aus.“ oder vielleicht hören die Kinder ja auch die Gespräche der Erwachsenen „Ich hätte den Kindern eine andere Kindheit gewünscht.“ Vielleicht könnt ihr ja schon erahnen, auf was ich gerade hinaus will. Wir können mit unseren Worten Ängste bei den Kindern schüren, oder auch ganz andere Perspektiven ermöglichen. Klingt gar nicht so einfach, oder? Ich gebe euch mal ein Beispiel: Ihr könnt sagen „Wegen Corona können wir jetzt nicht in den Urlaub fahren.“ Aber ihr könnt auch eine ganz andere Perspektive einnehmen und sagen: „Komm, wir machen es uns jetzt einfach gemütlich!“ Habt ihr den Unterschied in den Aussagen bemerkt? Im ersten Beispiel habe ich benannt, was nicht geht. Im zweiten Beispiel habe ich einfach nur aufgezeigt, was gerade beispielsweise möglich ist. Die Pandemie ist für viele Kinder zur Normalität und somit zu ihrer normalen Lebenswelt geworden. Wir haben es in unseren Händen, wie wir mit den Kindern über das Thema kommunizieren und wie wir somit ihre Seelen unbelastet ihre Kindheit genießen lassen können. Natürlich ist die Corona-Pandemie nicht toll. Menschen erkranken oder sterben im schlimmsten Fall. Jedoch gibt es auch viele positive Momente. Viele Kinder genießen es, endlich mehr Zeit mit ihren Familien verbringen zu können. Habt ihr mal bedacht, dass viele Kinder mehr als zehn Stunden am Tag in einer Bildungsinstitution verbringen? So lange ist In der Regel bestimmt auch nicht euer Arbeitstag. Kinder, die in der Klasse oft abgelenkt sind, können sich zu Hause viel besser konzentrieren oder nach ihrem eigenen Tempo lernen. Auch hier haben es die Erwachsenen in ihren Händen. Wie könnten wir unser Leben in Zukunft vielleicht gestalten? In Betracht auf unsere langen Arbeitszeiten sollte jeder Einzelne reflektieren, ob wir nicht auch mit weniger Geld auskommen. Wir sollten uns Fragen, ob wir wirklich so viel Wohnraum, ein teures Auto, usw. haben müssen. Was möchte ich mit meinem Gedanken bezwecken? Wenn wir weniger Zeit in das Geld verdienen investieren, kann diese in die Kinder gesteckt werden. Sie könnten viel mehr individuelle Unterstützung und emotionale Zuwendung bekommen, könnten vielleicht mehr im Park oder Wald spielen. Wenn Kinder gestärkt aus der Pandemie kommen sollen, tragen wir nun einmal die Verantwortung! Ja, WIR tragen die Verantwortung. Diese sollte nicht nur auf Kita und Schule übertragen werden, sondern als wunderbare und wertvolle Aufgabe der gesamten Gesellschaft angenommen werden. Ich bin mir ganz sicher, dass ihr nicht alle mit meinen Ideen mitgehen könnt. Aber dennoch ist es mir wichtig, euch zu inspirieren und euch vielleicht ein paar Inspirationen auf den Weg zu geben. Bitte betrachtet den Inhalt dieses Textes nicht als einzige Wahrheit und gegeben. Die Situation muss natürlich immer individuell bedacht werden und es gibt ganz sicher noch viele andere Wege.

Gedanken zur sozialen Achtsamkeit

Die Beiträge zur sozialen Achtsamkeit werden wohl die persönlichsten meiner ganzen Seite sein. Warum dies so ist, muss ich euch wohl genauer erklären.

Ich komme aus einer Familie aus der ehemaligen DDR, welche in als Kleinkind noch erlebt habe. Meine Familie war sehr kinderreich und Geld war auch nie groß vorhanden. Die Schulzeit war für mich sehr schwer, da ich ja keine Markenklamotten hatte und die mit den vielen Geschwistern war. Somit war ich ungewollt eine Außenseiterin. Natürlich ging dies nicht spurlos an mir vorbei. Meine Leistungen in der Schule waren nicht gerade rosig. Die Lehrer schliffen mich irgendwie durch, so dass ich wenigstens nie eine Klassenstufe wiederholen musste. Immerhin schaffte ich noch irgendwie die mittlere Reife.

Nach der Schule machte ich dann eine Ausbildung zur Erzieherin und ich stellte fest, dass mir das Lernen ziemlich leicht viel. Natürlich war auch der Wechsel von der Schule in die Ausbildung von Entscheidung. Ich machte einen Neuanfang und löste mich von meiner Unsicherheit, die mich meine gesamte Schullaufbahn begleitete. Ich fand in der Pädagogik meine Berufung und Leidenschaft. Mein Beruf wurde ein neues Stück meiner Identität. Ich gewann an Selbstbewusstsein und an einer noch nie vorhandenen Lebensfreude.

Ein paar Jahre nach meiner Ausbildung wollte ich es mir und vor allem allen anderen Menschen noch mehr beweisen. Ich habe Kindheitspädagogig und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung studiert. Laut Statistik gehöre ich in dieser Beziehung einer Minderheit an, da ich ja aus einer Familie komme, welche von Sozialleistungen abhängig war.

Warum ist es mir so wichtig, dies mit euch zu teilen? Schließlich geht es ja keinen etwas an…! Ich sehe es anders! Noch vor einigen Jahren war ich immer ziemlich neidisch auf alle Menschen, die eine ganz normale Kindheit und Schullaufbahn hatten. Jedoch habe ich mit der Zeit festgestellt, dass genau diese Erfahrungen wichtig für mich waren. Ich bin unglaublich dankbar und demütig für mein Leben und habe meinen Blick auf die soziale Situation um mich herum und die Welt viel mehr geschärft. Vielleicht kann ich auch ganz gut Perspektiven wechseln und mich in Menschen einfühlen. Erst war mein Anliegen, dass ich nach meinem Studium mehr Luxus haben möchte und mehr Geld verdienen will. Klar, ich will schon ein Dach über dem Kopf haben und auch mal in den Urlaub fahren können. Aber ich habe verstanden, dass es viel wichtiger ist, meiner Berufung zu folgen. Wenn wir Kinder prägen und begleiten wollen, ist es wichtig, dass wir unsere Identität nicht leugnen. Wir sind einzigartig, sowie jeder Mensch auf diesem Planeten. Ich wurde als Kind diskriminiert, weil ich wenig Geld und so viele Geschwister hatte. Meine Geschichte hat mich geprägt. Wenn ich sehe, dass andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt werden, versuche ich dagegen zu steuern. Dabei ist mir egal, ob es sich um Rassismus handelt oder die Gründe für Ausgrenzung einen anderen Ursprung haben.