Studieren für die Kita?

Hoch qualifiziert, jedoch nicht wirklich gebraucht – KindheitspädagogInnen

Nach einigen Jahren meiner Tätigkeit als Erzieherin, wollte ich mich im Bereich der frühen Bildung unbedingt weiter entwickeln. Das Berufsfeld interessiert mich und die Verbesserung von Qualität in diesem Bereich war in aller Munde. Es stand schnell fest, dass ich auf jeden Fall einen akademischen Abschluss erwerben wollte, welcher mich für mehr Aufgaben im Arbeitsfeld qualifiziert.

Also entschloss ich mich dazu, Bildung und Erziehung im an der Alice Salomon Hochschule zu studieren. Im Studium dann die teilweise Langeweile auf. In vielen Modulen kam das Gefühl auf, dass ich die Ausbildung zur Erzieherin wiederhole, da sich die Inhalte mit denen der ErzieherInnenausbildung gleichen. Auf den ersten Blick schien ich eigentlich umsonst zu studieren. Ich fragte mich, was meine weitere Qualifizierung von der Vorherigen unterscheidet. Im Nachhinein kann ich jetzt jedoch sagen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat und ich andere Kompetenzen als die, welche ich bereits hatte, erworben habe. Ich bearbeite und hinterfrage pädagogische Themen viel intensiver, versuche neue Wege zu gehen und bin in meinen Kompetenzen gestärkter. Da im Studium zum/ zur KindheitspädagogIn nicht nur pädagogische Themen bearbeitet werden, sondern das gesamte Bild wie z.B. Bildungsfinanzierung, politische Rahmenbedingungen oder aktuelle gesellschaftliche Debatten einbezogen werden, erklärten sich für mich Zusammenhänge, bzw. ein vernetztes Denken. Dies hat mir auf jeden Fall der wissenschaftlichere Zugang zu einzelnen Themenfeldern ermöglicht.

Nach dem Studium kam schnell die Ernüchterung. Betrachtet man die diversen Stellenausschreibungen im Feld, ist die Berufsbezeichnung der KindheitspädagogInnen kaum zu finden. In der Regel findet man die unterschiedlichsten Stellen für ErzieherInnen. Manchmal findet man aber auch, dass ErzieherInnen und oder KindheitspädagogInnen gesucht werden. Natürlich für gleiche Stellenprofile und ebenso selbe Bezahlung. Dies, sowie die nicht immer guten Arbeitsbedingungen führen dazu, dass viele hoch motivierte und ausgebildete Fachkräfte den Einrichtungen den Rücken kehren.

Dass ein Großteil der Absolventen der kindheitspädagogischen Studiengänge später nicht im Berufsfeld verbleibt, scheint niemanden zu interessieren. Tatsächlich frage ich mich, wie es passieren kann, dass deutschlandweit Milliarden Euro in diese Studiengänge investiert werden, wenn die Absolventen doch verprellt werden. Es ist ein Fass ohne Boden! Der Aufbau dieser Studiengänge war Anfang der 2000 -er gut gemeint, indem nach Bezeichnung der Kampagne „Profis“ in die Kitas kommen sollten. Dies sollte die Qualität im frühpädagogischen Bereich stärken und verbessern. Jedoch kommt diese in den Einrichtungen kaum an, da die Abgänger nach dem Studium keine Lust auf Ausbeute und nicht vorhandene Wertschätzung haben. Wie kann es sein, dass dieser Zustand existiert und keine konkreten Stellen für KindheitspädagogInnen geschaffen werden? Ideen gibt es ja diverse, umsetzen will sie aber keiner. Es kostet ja Geld! Ich schlage vor, dass die Studiengänge für KindheitspädagogInnen wieder abgeschafft werden, dann braucht auch nicht weiter in diese verschwendet werden. Wollen wir meiner provokanten Aufforderung wirklich folgen? Oder werden endlich mal Stellen geschaffen, welche den hohen Anforderungen an den Studienabschluss gerecht werden?

Liebe Leser! Ich denke, dass wir alle wissen, welchen hohen Stellenwert die frühkindliche Bildung für die Zukunft unserer Gesellschaft hat. Schon jetzt werden diverse Potentiale einfach nicht genutzt. Jeder Tag, an dem Begabungen, Talente und Leidenschaften nicht genutzt und gefördert werden, ist in meinen Augen ein verlorener Tag. Vor allem dann, wenn ich an die Zeitfenster der kindlichen Entwicklung denke.

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, geht es mir nicht darum, die ausgebildeten ErzieherInnen und die akademisch ausgebildeten KindheitspädagogInnen gegenüber zu stellen. Mein Herz brennt für eine multiprofessionelle Kitalandschaft mit den unterschiedlichsten Menschen, die ihre Leidenschaften und Begabungen mitbringen. Vielleicht geht es auch gar nicht darum, welchen Abschluss diese Menschen haben. Ich trage die Gewissheit in mir, dass wir Menschen brauchen, die Kinder für etwas begeistern können. Wenn ein Kind be-geistert wird, kann es seine eigenen Begabungen entdecken und so mit in die Welt tragen.

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